Vollzeitvater: das eigene Kind begleiten

Alexandra H. kleines Baby

Foto: Alexandra H. / pixelio.de

Es war in diesem Sommer als ich ein paar Urlaubstage am Chiemsee verbrachte. Da traf ich Frank, einen jungen Familienvater Anfang 40, der dort ebenfalls gerade ein paar Tage Urlaub machte. Im Gespräch verriet er mir dann, dass er sein „Baby“, das mit der Mutter zu Hause geblieben war, schon sehr vermissen würde. Er machte mich neugierig und so erfuhr ich, dass er sich in Absprache mit seiner Frau dazu entschieden hatte, beruflich kürzer zu treten und in erster Linie für seinen inzwischen zweijährigen Sohn da zu sein.

Ich fand die Begegnung außerordentlich spannend, war er doch der erste „Hausmann“, der mir bisher begegnet war. Natürlich hakte ich ein wenig nach und fragte Frank darüber aus, wie es denn so ist als „Hausmann“.

Vollzeitvater: Beruf und Berufung

Er erklärte mir, dass seine Frau einen gut dotierten Posten hat und dass er selbst karrieremäßig auf einer Stelle sitzt, an der er nicht weiterkommt. Für ihn war es daher eine gute Alternative, sich ganz für die Kindererziehung zu entscheiden. Mit seinem alten Arbeitgeber hatte er eine Vereinbarung getroffen, die es ihm ermöglicht, stundenweise von seinem Home-Office aus tätig zu sein. So kann er ganz flexibel seinen Sohn in die Krippe bringen und pünktlich wieder abholen. Auch eine Erkrankung ist kein Problem, denn er ist ja zu Hause.

Vollzeitväter sind keine Weicheier

Frank ist ein sehr sportlicher junger Mann und schon optisch ganz gewiss kein „Weichei“. Er wirkt tatkräftig, zupackend und sehr sympathisch. Frank steht für eine neue Väter-Generation. Väter, die eine Tätigkeit als Vollzeitvater als bereichernd und inspirierend empfinden. Väter, die dabei sein wollen, wenn das Kind zum ersten Mal auf wackeligen Beinchen steht, wenn es im Sandkasten erste Kontakte zu anderen Kindern knüpft, wenn es in den Kindergarten und in die Schule kommt.

Vollzeitvater: Chance auf besondere Beziehung zum Kind

Frank hat keine Berührungsängste, wenn es darum geht, sein Kind zu wickeln und zu versorgen. Er hat eine ganz besondere Bindung zu seinem Kind aufgebaut und er ist stolz darauf. „Mythos neuer Mann“ titelte Spiegel.de noch vor zwei Jahren einen Artikel zum Thema Vollzeitvater. Doch dieser Mythos wird immer blasser.

Besonders deutlich wird es, wenn man die Statistik anschaut, die sich mit der Väterbeteiligung am Elterngeld beschäftigt. Im Jahr 2011 erhielten bundesweit 27,3 Prozent der Väter für eine Dauer von durchschnittlich 2,9 Monaten Elterngeld. Die bayerischen Väter zeigen sich dabei besonders fortschrittlich, denn in Bayern betrug der Väteranteil im gleichen Zeitraum 35,8 Prozent. Dahinter kommen gleich die Sachsen mit 35,6 Prozent. Am Ende der Skala liegt das Saarland, in dem sich nur 17,5 Prozent der Väter für das Elterngeld entschieden haben.

Ingrid Neufeld

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Written by Ingrid Neufeld

Die Autorin Ingrid Neufeld ist gelernte Erzieherin und betreibt mehrere pädagogische Blogs. Sie schreibt für Eltern und für alle, die mit Kinder zu tun haben. Zudem hat sie mehrere Kinderbücher veröffentlicht. Auf diesem Blog will sie Väter bei ihrer Erziehungsarbeit unterstützen. - Sie sind jetzt neugierig geworden und wollen wissen, was sie für Sie und Ihr Unternehmen tun kann? Dann sind Sie herzlich auf die Seite www.textdrechslerei.de eingeladen!

One comment on “Vollzeitvater: das eigene Kind begleiten
  1. Also ich muss mich hier jetzt mal zu Wort melden: Mein Papa hat meine Geburt vor über 30 Jahren miterleben dürfen und er hat als ich klein war versucht, seine freie Zeit immer mit uns zu verbringen. Das werde ich nie mehr vergessen und es trägt mich heute noch als Erwachsene.
    Ich finde es toll wenn Männer das Vater werden sehr ernst nehmen

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