Sportunterricht – warum ihn keiner braucht

Schulsport Foto: Siegfried Fries/pixelio.de

Schulsport Foto: Siegfried Fries/pixelio.de

Justin hat immer eine 1 in Sport. Er ist ein As, wenn es um den Weitsprung, oder Laufsport  geht, doch auch sonst zeigt er immer vollen Einsatz und ist in fast keiner Disziplin zu toppen. Julius dagegen hängt wie ein nasser Sack am Barren, drückt sich vor dem Mannschaftssport und ist beim Laufen meist der letzte. So bleibt es nicht aus, dass seine Sportnoten eher im Bereich „Mangelhaft“ anzusiedeln sind.

Der Sportunterricht in unseren Schulen ist darauf ausgelegt, Kinder wie Justin zu fördern und sie zu Wettkämpfern zu machen. Und dieser Wettkampf setzt sich außerhalb der Schule fort. Denn sportliche Kinder fühlen sich „cooler“ als die anderen, die sie als „Loser“ ansehen. Diese Einstellung wird vom Schulunterricht genauso gefördert wie von unserer Gesellschaft, die „Superkids“ liebt und unsportliche Kinder links liegen lässt.

In der Gesellschaft wird Sport idealisiert

Sportliche Kinder sind schlanker, haben Idealmaße und bekommen niemals Diabetes.

Super, dass unsere Gesellschaft so gesundheitsbewusst ist. Die Frage ist nur, ob Kinder, die Sportlichkeit nicht in die Wiege gelegt bekommen haben, sportlicher werden, wenn ihnen täglich aufs Brot geschmiert wird, wie unsportlich sie sind.

Sport muss Spaß machen

Wieso ist eigentlich noch niemand auf die Idee gekommen ist, dass Sport Spaß machen muss, wenn man ihn lebenslang betreiben sollte? Macht Schulsport wirklich Spaß? Oder ist es nicht vielmehr so, dass die Kinder dort vermittelt bekommen, dass Sport etwas mit Quälerei, Spott und dem Gefühl sich zu blamieren zu tun hat? Weshalb versuchen die Sportlehrer nicht, die Kinder dort abzuholen, wo sie stehen? Warum werden nicht Neigungsgruppen gebildet, die sich beispielsweise mit Ballspielen beschäftigen? Warum muss ein Kind unbedingt über den Bock springen, obwohl es damit offensichtlich Schwierigkeiten hat? Weil es nur dann weiß, dass es Bock springen sein Leben lang hassen wird? Welche Logik steckt hinter solchen Annahmen?

Heutzutage wird viel über Kinder gejammert, die übergewichtig und lustlos zu Hause vor dem Computer sitzen, statt sich zu bewegen. Daran sind nicht nur die „Umweltbedingungen“ schuld, sondern auch ein Sportunterricht, der nicht in der Lage ist, Sport als das zu vermitteln, was er sein sollte: Eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, die den richtigen Ausgleich zum bewegungsarmen Alltag schafft. Leider begreifen die meisten Sportlehrer „ihr“ Fach als das Wichtigste überhaupt und damit als Fach, das sich über den Begriff „Leistung“ definiert. Sport ohne Leistung geht nicht, jedenfalls wenn es nach den Sportlehrern geht.

Besserer Sportunterricht ist die ideale Prävention

Das ist eine lebensferne und völlig falsche Vorstellung, die unsere Kinder reihenweise zur Unsportlichkeit erzieht. Denn wer einen solchen Sportunterricht genossen hat, wird später entweder selbst Spitzensportler, oder er beschließt sofort nach Abschluss der Schule, sämtliche unnötigen Bewegungen einzustellen.

Deshalb plädiere ich für eine Umstrukturierung des Sportunterrichts an sämtlichen Schulen. Dazu gehört neben der Abschaffung von Noten die Einführung eines spaßorientierten Bewegungsunterrichts, der Möglichkeiten aufzeigt für lebensbegleitende Bewegung. Denn so wie der Sportunterricht heutzutage noch immer an den Schulen praktiziert wird, braucht ihn keiner.

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Written by Ingrid Neufeld

2 comments on “Sportunterricht – warum ihn keiner braucht
  1. Entschuldigung, aber es gibt genügend Gegenbeispiele, die dafür sprechen, den Sportunterricht – auch in der jetzigen Form – nicht abzuschaffen. Da sind nämlich Kinder, die in anderen Fächern (Mathe, Deutsch, Latein,… beliebiges einsetzbar) schlecht und im Sport- oder Musik-/Kunstunterricht (für den in der Schule das selbe gilt wie für den Sportunterricht) gut sind. Die können da auf einem anderen Gebiet zeigen, dass sie was drauf haben und Talente eben unterschiedlich verteilt sind. Und wenn man einen Musiklehrer hat, der einem das Fach Musik vermiest oder einen Kunstlehrer, dem der eigene Stil nicht gefällt … muss man da durch. Ist so. Es gibt genau so gut Mathe-/Deutsch-/Latein-/Chemielehrer, die einem das Leben zur Hölle machen können. Alles abschaffen? Was soll das bitte? Meine Kinder würden freiwillig nicht unbedingt alles essen, was auf den Tisch kommt. Aber ein Löffel wird probiert, das ist Pflicht. Genau wie man im Musikunterrichte Instrumente spielen und im Sportunterricht verschiedene Sportarten ausprobieren muss.
    Und Überraschung an unserem Tisch: ganz vieles schmeckt, manches wird nach dem zweiten oder dritten Test sogar zum Lieblingsessen erkoren. Man muss doch auch mal andere Sachen kennenlernen. Und in einigen Fällen Ängste/Abneigungen überwinden. Nach frei gewählten Neigungsgruppen gäbe es gerade beim Essen recht viele Schnitzel-Pommes-und-Nudeln-mit Tomatensoße-Kinder.
    Tolle Lehrer, andere Ansätze … kann man drüber reden. Aber dann für alle Fächer. Und ich bin der Überzeugung, dass es einen weiter bringt, auch Situationen/Fächer durchzustehen, die einem nicht liegen. Ein Kind, das sich weder in den “normalen Lernfächern” noch im Sport oder musischen Bereich Bestätigung holen kann, ist meines Erachtens an der falschen Schule.

    • Es ging mir in meinem Artikel nicht nur um den Schulsport, sondern vielmehr darum, dass im Schulsport Grundlagen fürs Leben gelegt werden. Und es ist nun mal so, dass Kinder, denen immer wieder gezeigt wird wie unsportlich sie sind, dazu neigen, dem Sport (und allen irgendwie damit verbundenen bewegungsreichen Betätigungen) im Erwachsenenleben aus dem Weg zu gehen. Schulsport ist mehr als ein Unterrichtsfach. Wer Latein nicht mag, kann das später vermeiden, ohne befürchten zu müssen vorzeitig an einem Schlaganfall zu sterben. Bei Sport ist das anders. Deshalb ist hier die Verantwortung der Lehrer sehr hoch. Sie haben es in der Hand, die Begeisterung in den Kindern für Bewegung zu wecken. Und genau das sollte passieren – denn sonst könnte man den Sportunterricht gleich abschaffen.

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