Blog-Parade: Sind späte Eltern die besseren Eltern?

Foto: Helene Souza, pixelio.de

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Auf TopElternblogs läuft gerade eine Blogparade. Gerne möchte ich mich ebenfalls daran beteiligen und hoffe auf eine Vielzahl von Lesern.

Zunächst einmal liegt es am gesellschaftlichen Wandel, dass Paare heute später als noch vor dreißig Jahren das erste Kind bekommen.

Späte Elternschaft als eigene Entscheidung

Im Gegensatz zu früher können sie den Zeitpunkt frei bestimmen. Noch vor wenigen Jahrzehnten heirateten Paare, weil sie „mussten“. Das kommt heutzutage kaum mehr vor. Junge Paare planen ihr erstes Kind. Zuerst muss die Ausbildung abgeschlossen sein, dann will man Geld verdienen und möglichst viel von der Welt gesehen haben. Erst danach entschließen sich Paare dazu, zu heiraten und Kinder zu bekommen. In Gesamtdeutschland lag im Jahr 2012 das Durchschnittsalter für verheiratete Frauen, die ihr erstes Kind zur Welt brachten, bei 30,1 Jahren. Unverheiratete bekamen früher Kinder. Dabei unterboten die ostdeutschen Frauen die im Westen lebenden um zwei Jahre. Sie wurden im Schnitt schon mit 27 Jahren Mutter.

In einem Durchschnittsalter sind natürlich auch immer die Ausreißer nach unten und nach oben mit einberechnet. So gibt es die Eltern, die sehr spät ihre Kinder bekommen. Eine dieser späten Mütter ist die Baronin Isabella von Schorlemer, die vor zwei Jahren mit 54 Jahren eine Tochter zur Welt brachte. Bei Frauen ist dies bereits ein beachtliches Alter, das meist mit Unverständnis quittiert wird. Männer sind dagegen bis ins hohe Alter zeugungsfähig. So war der Inder Ramjeet Raghav  96 Jahre alt, als er noch einmal Vater wurde und sich dabei bester Gesundheit erfreute.  Die Gesellschaft bringt Männern in dieser Hinsicht weniger Vorbehalte entgegen. Sie haben es von jeher leichter, als älterer Vater anerkannt zu werden.

Späte Eltern haben eine gesicherte Existenz

Doch die meisten älteren Eltern warten nicht ganz so lange. Wenn wir von „späten Eltern“ reden, meinen wir in der Regel die Mittdreißiger, die sich schon eine Existenz aufgebaut haben und jetzt zum ersten Mal ein Kind bekommen.

Jan ist das klassische Beispiel dafür. Er hatte nach seinem Studium einen Job als Ingenieur bei einem großen Unternehmen bekommen, war mit seiner Freundin Tina, die als Verwaltungsangestellte arbeitete,  schon zehn Jahre lang zusammen und wollte endlich Nägel mit Köpfen machen. Finanziell sah alles bestens aus, deshalb heirateten die beiden und planten auch gleich das erste Kind. Sie hatten Glück, dass sie im Gegensatz zu anderen Paaren auch nicht lange warten mussten. Tina wurde schwanger und neun Monate später waren sie zu dritt.

Achtung: Verhätschelungsgefahr!

Beide Eltern kümmerten sich von Anfang an gemeinsam um ihren Sohn Leo. Alles drehte sich um dieses Wunschkind.

Das ist natürlich eine Riesenchance. Sowohl für die Eltern, als auch für den Kleinen. Die Eltern sehen ihr Kind als großes Geschenk an und behandeln es auch so. Das Kind erhält die Liebe seiner beiden Eltern und fühlt sich entsprechend wohl. Genauso soll es sein.

Das Problem dabei ist, dass die Eltern jetzt genau aufpassen müssen, dass das Kind nicht zu viel Liebe bekommt. Leider kann das allzu leicht passieren. Denn gerade beim ersten Kind neigen Eltern dazu, das Kind zu sehr zu verwöhnen. Ältere Eltern sind dabei wesentlich gefährdeter als junge, bei denen eine gesunde Portion Egoismus genau das verhindert. Deshalb kann es Eltern helfen, wenn sie sich manchmal überlegen: Wie würde ich reagieren, wenn ich noch fünf weitere Kinder hätte? Es war genau der Gedanke, der mich bei der Erziehung meiner Kinder immer wieder begleitet hatte. Dieser Gedanke hilft nämlich, einfach mal durchzuatmen und dabei Abstand zur augenblicklichen Situation zu gewinnen. Dadurch erhält man ein Gefühl dafür, ob die Forderung des eigenen Sprösslings berechtigt, oder doch ziemlich ichbezogen ist.

Ältere Eltern sind nicht von Natur aus die besseren Eltern. Aber sie haben Supervoraussetzungen es zu werden. Sie sind gelassener, haben die finanziell besseren Voraussetzungen und wissen meist wesentlich mehr über Erziehung als die 20-jährigen.

Jüngere Eltern sind dagegen spontaner, flexibler und auch noch kindischer. Der letzte Begriff ist ganz bewusst so gewählt. Denn im „kindischen Verhalten“ liegt auch der Anknüpfungspunkt zum eigenen Nachwuchs. Deshalb haben junge Eltern oftmals einen Riesenspaß dabei, mit dem Sprössling herumzualbern.

Im Grunde hat man in jedem Alter gute Voraussetzungen für die Elternschaft. Auf alle Fälle ist es von Vorteil, sich gründlich auf seine neue Rolle vorzubereiten.

Written by Ingrid Neufeld

Die Autorin Ingrid Neufeld ist gelernte Erzieherin und betreibt mehrere pädagogische Blogs. Sie schreibt für Eltern und für alle, die mit Kinder zu tun haben. Zudem hat sie mehrere Kinderbücher veröffentlicht. Auf diesem Blog will sie Väter bei ihrer Erziehungsarbeit unterstützen. - Sie sind jetzt neugierig geworden und wollen wissen, was sie für Sie und Ihr Unternehmen tun kann? Dann sind Sie herzlich auf die Seite www.textdrechslerei.de eingeladen!

4 comments on “Blog-Parade: Sind späte Eltern die besseren Eltern?
  1. Hallo Ingrid,
    da hast Du mit dem gesellschaftlichen Wandel einen interessanten Ansatzpunkt gefunden für den Beitrag zu dieser Blogparade. In einem Punkt bin ich anderer Meinung, ich denke, dass jüngere Eltern es eher gelassener sehen und sich ältere Eltern manchmal zu viele Gedanken machen, weil sie mehr Erfahrung haben.
    Viele Grüße
    Claudia

    • Hallo Claudia,
      herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Du hast sicherlich Recht: Diese Eltern gibt es bestimmt, Aber die Gelassenheit der älteren Eltern zeigt sich oft darin, dass sie nicht mehr jeden Kampf mit ihren Kids durchfechten. Meist einfach deshalb, weil ihnen die Kraft dafür fehlt. Sie haben es gelernt, mit ihren Kräften anders zu haushalten. – Jedenfalls ist das meine Erfahrung.
      LG Ingrid

  2. Hallo Ingrid,
    besten Dank für deinen – doch etwas kontroverseren – Beitrag zur Blogparade auf topElternblogs. Die bisherigen Posts waren ziemlich ausgeglichen nach dem Motto “besser oder schlechter gibt es bei diesem Thema nicht”. Dein Beitrag hingegen lädt zur Diskussion ein, das ist echt toll!
    Was die “gesunde Portion” Egoismus anbelangt habe ich nämlich genau umgekehrte Erfahrung gemacht und möchte deshalb mal die jungen Eltern in Schutz nehmen. Gerade ältere Eltern, die um ihre berufliche Position bzw. ihre Karriere fürchten, kehren recht früh in ihren Job zurück und wenden eher wenig Zeit für den Nachwuchs auf, der auch schon mal von Nannys fremdbetreut wird. Leisten können sie es sich ja. Junge Eltern hingegen, gerade wenn sie sich noch in Studium oder Ausbildung befinden, können selbst mehr Zeit mit den Kindern verbringen, die sie selbstverständlich auch verwöhnen. Auch den Hinweis, dass man sich gründlich auf seine Rolle vorbereiten soll, kann ich nicht so recht nachvollziehen. In die Mutter- oder Vaterrolle wächst man doch hinein. Man sammelt “learning by doing” Erfahrung.

    • Hallo Anne,
      vielen lieben Dank für Deinen Kommentar und auch für die Einschätzung, dass mein Beitrag zur Diskussion einlädt. So sollte es sein.
      Interessant finde ich, dass Du meinen Hinweis nicht nachvollziehen kannst, dass sich Eltern gründlich auf ihre Rolle vorbereiten sollen. Ich sehe es als Privileg unserer heutigen Zeit an, dass es die Möglichkeit gibt, sich über Erziehung gründlich zu informieren. Das ist ja genau das, was Generationen von Eltern über Jahrtausende hinweg gemacht haben: Einfach die Erziehungsvorstellungen der Eltern übernommen und ihre Kinder mit körperlicher Gewalt erzogen. Und darin sehe ich die Gefahr: Wer sich nicht informiert, übernimmt automatisch Erziehungsvorstellungen, die ihn andere gelehrt haben. Das kann optimal sein, muss aber nicht. Vielleicht gehörst Du ja zu denjenigen, die das ideale Erzieherverhalten schon von Klein auf gut beobachten konnten. Dann gebe ich Dir recht: Alles andere ist “learning by doing”.

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